Zurück zur Übersicht

 

 

Politisches Nachtgebet: Für eine Welt frei von Folter

Themenbereich Themenbereich 3: In Freiheit bestehen

Gegen Folter und Isolationshaft in der Türkei

Resolution
Adressat: Ev. Kirche in Deutschland (EKD)

Die Menschenrechtsverletzungen in der Türkei sind seit Jahren bekannt. Minderheiten werden unterdrückt und bekämpft, Oppositionelle werden verschleppt, brutal gefoltert, verstümmelt oder getötet.

Folter gehört zu den schwersten Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen, die wir kennen. Doch nun will der türkische Staat ein weiteres Machtmittel durchsetzen, um die oppositionelle Linke zu zerschlagen: die Isolationshaft.

In Isolationszellen sollen die politischen Gefangenen, die auf qualvolle Weise gefoltert wurden, isoliert von Mitgefangenen, isoliert von der Außenwelt und jeglicher sozialer Kontrolle eingesperrt werden.

Isolationshaft wird als weiße Folter anerkannt, und die Gefangenen wissen, dass sie in Isolationszellen verloren sind, lebendig begraben, psychisch tot.

Deshalb protestieren sie mit dem Wertvollsten, das sie besitzen, nämlich mit ihrem Leben, gegen die unmenschlichen Haftbedingungen.

Seit dem 20. Oktober 2000 befinden sich die politischen Gefangenen in mehreren türkischen Gefängnissen im Hungerstreik bzw. Todesfasten.

In einer ersten Erklärung der politischen Gefangenen heißt es: "Wir werden eher sterben, aber niemals die Isolationshaft annehmen!"

Inzwischen hat der Tod Einzug gehalten in die Gefängnisse. Viele junge Frauen und Männer haben den Hungerstreik nicht überlebt, und sehr viele Menschen werden noch sterben, sie haben bereits das Bewusstsein verloren. Das Leid der Gefangenen, ihrer Familien und Freunde ist unermesslich groß.

Der türkische Staat verweigert weiterhin die Forderungen der Gefangenen nach
– sofortiger Beendigung von Folter und Misshandlungen in den türkischen Gefängnissen und
– Aufhebung der Isolationshaft.

Das Ausland hat die faschistischen Methoden der türkischen Regierung bisher nicht verurteilt. Auch die Bundesrepublik hat keinen politischen Druck auf die Türkei ausgeübt. Die Gefangenen haben bisher vergeblich auf unsere Unterstützung gehofft.

Deshalb fordern wir
– die Verantwortlichen der Evangelischen Kirche in Deutschland auf, ihren Einfluss auf die Bundesregierung geltend zu machen, damit in Verhandlungen mit der türkischen Regierung eine Lösung erzielt wird, die dem Sterben durch Folter und Isolationshaft in den türkischen Gefängnissen ein Ende setzt.
– dass sehr genau überprüft werden sollte, ob ein Regime, das Gewalt, Menschenrechts-verletzungen, Unterdrückung und Bekämpfung von Minderheiten und Oppositionellen brutal durchsetzt, überhaupt in die Europäische Union aufgenommen werden sollte und inwieweit die wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit mit einem solchen Unrechtsregime zu einer Mitschuld führt.
– dass jeder Einzelne den Tourismus in einen Folterstaat ablehnt, um damit ein persönliches Zeichen gegen Gewalt zu setzen.
– auch die EKD auf, ihre eigene touristische Praxis zu überprüfen und auf Exkurisonen in die Türkei zu verzichten.
– dass jeder, der sich Mensch nennt, auf sein Gewissen hört und den Schrei der Hungerstreikenden weiter verbreitet.

Anwesende: 1.300 Personen
Die Resolution wurde mit einer klar erkennbaren Mehrheit angenommen.

Home| Suche| Nachrichten| Texte| Newsletter| Impressum/Kontakt| Webcam
Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 15. Juni 2001.