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Das Problem mit dem Abendmahl: Steht das Leiden im Vordergrund?

Kurzfristig ins Programm genommene Diskussion über das Abendmahlsverständnis

Rund 5.000 Menschen haben am Samstag beim Evangelischen Kirchentag an der Diskussion über das Abendmahlsverständnis, die kurzfristig ins Kirchentagsprogramm genommen wurde, teilgenommen. An der Veranstaltung nahmen der Ratsvorsitzende Manfred Kock und die Professoren Angela Standhartinger, Eberhard Jüngel und Fulbert Steffensky in die Halle 5 teil, um der Frage nachzugehen, "wieviel Innovation verträgt der Protestantitsmus". Der frühere Katholik Fulbert Steffensky beantwortete dies mit einem Lob auf die "produktive Undeutlichkeit" des evangelischen Verständnisses. Die ziehe er der "gefährlichen Deutlichkeit" im Katholizismus vor.

Ein "Spiel der Zuneigung Gottes zu den Menschen", nannte Steffensky das Abendmahl. Dieses Spiel habe Regeln, die "nicht notwendig, aber unerlässlich" seien. Durch Einsetzungsbericht und Sündenbekenntnis symbolisiere eine Gemeinde ihren Glauben. Protestantische Freiheit sei es, diese Formeln zu verändern, ohne sie der Beliebigkeit preiszugeben. Dennoch halte er an dem Bild vom Fleisch und Blut Jesu fest. "Bilder durch theologische Erklärungen zu ersetzen, führt zu Blässe", sagte Steffensky. Das Problem mit diesen Bildern liege nicht in deren Existenz, sondern darin, wie die Kirche damit umgehe. Oft werde das Leiden Jesu in den Vordergrund gerückt, dabei müsse die Freude der Erlösung größer sein. Der Kirchentag habe diese Freude in den Vordergrund seiner Feiern gerückt.

Damit reagierte Steffensky auf Angela Standhartinger, die von Leid tragenden Menschn erzählt hatte, die das Abendmahl mieden, um nicht an ihren Schmerz erinnert zu werden. "Das Leid wird überbetont", sagte sie. "Leidende fühlen sich dort missverstanden." Aufgabe des Abendmahls müsse es vielmehr sein, Lebensfreude zu vermitteln. Für Eberhard Jüngel sind die Einsetzungsworte des Abendmahls nur verständlich, wenn der Hintergrund deutlich sei: "Wenn wir das Fleisch und Blut Jesu zu uns nehmen, ist er uns näher als wir selbst es uns sind." Dann seien Menschen sich selbst nicht mehr der Nächste. Das Abendmahl als Aufforderung zum Leiden zu interpretieren, sei "ein groteskes Missverständnis". Der Tod Jesu sei zwar präsent, vermittle sich jedoch als "Phänomen, dass durch Liebe überwunden werden kann".

Präses Manfred Kock charakterisierte die Einsetzungsworte als bindendes Glied aller Christen. Trotz der fremd anmutenden Formulierungen vermittele die Abendmahlsliturgie "eine Vertrautheit, die den Bezug zum christlichen Bekenntnis herstellt". Variationsbreiten müssten daran gemessen werden, "ob wir uns darin wiedererkennen". Im Abendmahl würden Christen die Gemeinschaft mit Jesus, "die Gegenwart des Gekreuzigten und Auferstandenen" erfahren. Eben nicht in Definitionen, sondern durch Erfahrungen erschließe sich das "Geheimnis des Abendmahls".

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Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 16. Juni 2001.