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Abendgebet Freitag

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Abendgebet zur Sache

Nachrichten

Abendgebet zur Sache
Nachrichten am Freitag, 15. Juni 2001


Göteborg. Beim Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs kam es gestern Abend zu heftigen Krawallen. Die Demonstranten protestierten vor allem gegen die Klimapolitik von US-Präsident George Bush, der dem EU-Treffen beiwohnte. Ungeachtet der Krawalle setzten die Regierungschefs ein klares Signal für die Osterweiterung der Europäischen Union.

Messe, Bibelarbeit. Der verlorene Mensch im Land der Angst braucht immer einen Gott zum Rechthaben, einen Gott zum Richten, einen Gott zum Würgen. Theologie-Professor Eugen Drewermann fordert, damit müsse endlich Schluss sein. Unter Berufung auf Abraham könnten die Menschen ausziehen aus dem Land der Angst.

Messe, Halle 1. Bunt bemalte Schuhe bilden eine Spur quer durch die Halle. Wer den Schuhen folgt, landet an großen Ausstellungswänden. Dort informiert der Kirchentag über seine Umweltverträglichkeit. Ökologisch korrekt und vor allem nachhaltig will man sein - zur Bewahrung der Schöpfung.

Bühne am Römer, Bibelarbeit. Ein grünes und ein rotes Mikrofon benutzt Pfarrer Friedrich Schorlemer in seiner Bibelarbeit. Das rote steht für die Aussagen des Textes: Gott will segnen, aber Abraham muss sich bewegen. In Gottes großem Zuspruch stecken große Zumutungen.
Das grüne Mikrofon steht für die Assoziationen der Gegenwart: "Reformen ja, aber nicht bei mir. Risiko ja, aber versichert."

Saal Harmonie, Bibelarbeit. Pastor Eckhardt Minte verweist auf die gemeinsamen Wurzeln von Judentum, Christentum und Islam - und zugleich auf die wachsende fundamentalistische "Einäugigkeit" in allen Lagern. Er fasst zusammen mit einem Satz von Karl Josef Kuschel: "Von Abraham erzählen heißt sich zu erschrecken, wie weit die Kinder Abrahams das Erbe ihres gemeinsamen Stammvaters ruiniert haben."

Interview mit dem Bodyguard einer Ministerin: "Wie geht's Ihnen hier so - in einer Bibelarbeit?" Antwort: "Ooch, gut. Ist interessant. Doch, ja! Und ruhig."

Jetzt hat auch der Kirchentag seine eigene Börse. Sie heißt PaxAN, und ist nur ein Spiel. Bei den Aktien geht es nicht um Profit, sondern um das soziale Engagement der Konzerne. C&A geht zum Beispiel mit einer Initiative gegen Kinderarbeit auf das Kirchentagsparkett - und kann schon 20% Kursgewinn verzeichnen.
Außerdem geht es um die Jagd nach den MultiPaXX, die nicht gekauft werden können. Sie gibt es nur als Belohnung für ein Lied, eine Geschichte oder eine Hilfeleistung. Hin und wieder trifft man Menschen mit einem dicken Stapel dieser MultiPaXX. Das sind dann besonders hilfreiche und nette Mitmenschen.

Markt der Möglichkeiten. Im Marktbereich "In Freiheit bestehen" kreisen rote Papierflieger. Mit dieser "Flugpost" wirbt die Aktion "Hose zu und Finger weg - aktiv gegen Kinderprostitution". Die Bundesregierung soll in dieser Sache Post vom Kirchentag bekommen, damit sie sich für den Schutz von Kindern einsetzt, die zum Zweck der kommerziellen sexuellen Ausbeutung nach Deutschland verschleppt werden.

Palmengarten, Forum Flughafen. Nur 420 Besucher waren gekommen, um sich über die Situation der Flüchtlinge im so genannten Flughafenverfahren zu informieren. 80 Personen mehr wären nötig gewesen, um in einer Resolution die Abschaffung des unmenschlichen Verfahrens zu fordern. Flüchtlinge ohne gültigen Pass werden am Flughafen festgehalten. Die Bedingungen dort sind so traumatisierend, dass es immer wieder zu Selbstmorden kommt. Erst kürzlich nahm sich eine Marokkanerin im Flughafen das Leben.

Messe, Podiumsdiskussion Friedensethik nach dem Kosovo-Krieg.
Unter dem Beifall des Publikums kritisiert Dieter Lutz, Leiter des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, die deutsche Informationspolitik während des Kosovo-Konflikts. Es sei unverzichtbar für eine Demokratie, dass Interventionen wie die der NATO rechtsstaatlich nachvollziehbar seien. Es müsse die Gewissheit bestehen, dass es sich um berechtigte Nothilfe handelt.

Skopje. Die albanischen UCK-Rebellen haben die vereinbarte Waffenruhe in Mazedonien um zwölf Tage verlängert. Damit wollen sie die Bedingungen für einen Dialog schaffen, sagte ein Sprecher. NATO und EU hatten zuletzt den diplomatischen Druck auf die mazedonische Regierung und die UCK erhöht. So soll eine friedliche Lösung des Konflikts erreicht werden.

Messe, Internetcafé. Sie sieht aus wie ein Getränkeautomat, ist aber viel mehr: die Wish Machine. Für eine Mark erhält man ein kleines Päckchen. Inhalt: ein Bild und ein Fläschchen Duftöl. Zehn verschiedene Düfte gibt es. Sie stehen für zehn existenzielle Wünsche wie Hoffnung, Frieden, Gesundheit und Kommunikation. Außerdem kann man seine eigenen Wünsche im Internet veröffentlichen. Auf der Seite www.wishmachine.de finden sich nicht nur persönliche Wünsche, auch der gemeinsame Kirchentag 2003 in Berlin ist ein Thema. Ein Kirchentagsbesucher hofft, Zitat: "dass wir alle spätestens 2003 das Abendmahl gemeinsam feiern können."

Messe, Vortrag zum Thema "Was erwarten die Christen von sich selbst?"
Auch Fulbert Steffensky spricht unter anderem über das Streitthema Abendmahl: "Wir haben keine Zeit mehr, uns in theologischen Korrektheiten zu erschöpfen und uns das Brot zu verweigern." Es gebe keine Zugangsvoraussetzungen zum gemeinsamen Mahl, ruft er unter lang anhaltendem Beifall dem Publikum zu.

Gasthaus Ökumene. Trommelrhythmen und englische Gesänge, spontan angestimmt von den zahlreichen afrikanischen Gästen. Dazwischen Delikatessen aus vielen Ländern der Welt. An den zahlreichen Ständen stellen sich Initiativen und Projekte vor. Mittendrin: eine Rundreise durch Tansania zwischen Kilimandscharo und Kaffeebäumen - mit dem Fahrrad.

IHK, Brennpunkt Gemeinde. Pfarrer Klaus Neumeier aus Bad Vilbel nennt den traditionellen Gottesdienst einerseits einen "Schatz", andererseits ein "Problem". Kirchenferne Menschen fühlten sich fremd in dem, was die "Kerngemeinde" jeden Sonntag zelebriere.
Begeisterung komme da auf, wo die "Begeisterungskiller" Langeweile, Gesetzlichkeit, Mittelmaß und Angst beseitigt seien.

Frankfurter Innenstadt. "Massen von jungen Leuten in der Stadt, und alle sind freundlich und höflich" - die alte Dame hat mit der Kirche sonst "nichts am Hut", aber die Stimmung in der Stadt begeistert sie. Eigentlich wollte sie nur mal schauen. Doch dann hat sie sich einen ganzen Nachmittag und Abend ins Gewühl gestürzt.

Messe, Erzählzelt. Mitten im Fußgängerstrom zwischen Messeturm und Festhalle steht das Erzählzelt. Viel zu klein. Erstaunlich ruhig ist es. Die Geschichte von Ruth, Naomie und Boar aus dem Alten Testament ist dran.
Fünf Kinder sind da - und dreißig Erwachsene. Auch ein Ort der Ruhe für die Besucher. Einer wacht erst auf, als der Applaus für die spannende Erzählung aufbraust.

Berlin. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wird der Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, nicht mehr als Spitzenkandidat der CDU antreten. Dies habe er bereits führenden Parteimitgliedern mitgeteilt, so die Zeitung. Mit einem Misstrauensvotum wollen SPD und Grüne Diepgen morgen stürzen. Wegen der miserablen Finanzsituation Berlins hatte die SPD in der vergangenen Woche die große Koalition mit der CDU beendet.

Festhalle, Podiumsdiskussion "Die Erotik des Geldes"
Auf einem riesigen Bild wird die Erotik sofort sichtbar. Dagobert Duck stürzt sich mit lustvoll erhobenem Entenschwanz ins erfrischende Geldbad. Lustvoll auch spielt Jochen Hörisch mit Worten. Er verlockt die "Gotteszocker" in der Festhalle zu einem Spiel. Sie sollen herausfinden, welches der drei Leitmedien der heutigen Zeit die größte Rolle spielt: das Abendmahl, das Geld oder die neuen elektronischen Medien. Nach vier Spielschritten unter zunehmendem Gelächter das Ergebnis: Das Geld liegt knapp vor dem Abendmahl.

Publikumsfrage an den erfolgreichen Vermögensberater Klaus-Dieter Trayser: "Wieso nennen Sie Ihr Unternehmen christlich?" Trayser nennt das Betriebsklima als Beispiel. Es sei in seiner Firma üblich, dass schwangeren Mitarbeiterinnen gratuliert werde, und das aus vollem Herzen. Mütter müssten nicht um ihre Karriere fürchten. Tele-Arbeitsplätze seien eine gute Möglichkeit, ihre Kenntnisse für die Firma zu erhalten.

An der Straßenbahn-Haltestelle vor der Messe stand ein goldenes Kalb. Es wurde heute vormittag im Protestzug durch das Bankenviertel mitgetragen. "Die Macht des Geldes durchkreuzen" war die Parole. Ein Protest gegen die Riesengewinne der Großbanken auf Kosten der armen Länder in Afrika, Lateinamerika und Asien.

Opernplatz. Familie Mascher aus Gießen erlebt den Kirchentag aus der Big-Brother-Perspektive. Sie kampiert als "Kirchentagsfamilie" auf dem Opernplatz in einem Wohnmobil. Die Kirchentagsfamilie will unter anderem testen, wie kinderfreundlich der Kirchentag ist. Auf diesem Gebiet sind die Maschers Experten - mit drei Kindern.

Frankfurt-Dornbusch. In der Franz-Boehm-Schule übernachten 300 Jugendliche. Trotzdem verschläft eine diensthabende Quartierbetreuerin ihren Frühstücksdienst - so ruhig ist es in der Schule. Die Betreuerin ist zum 10. Mal mit Jugendlichen beim Kirchentag - doch verpennt hatte sie noch nie.

Messe, Forum Frankfurt/Main - Frankfurt/Oder. "Die neue Welt mit ihren riesigen Chancen und gigantischen Anforderungen braucht ein menschliches Gesicht," fordert Heiner Geißler. Dazu gehöre, dass Menschen ihre Heimat behalten oder finden können. Ihnen sei keine kapitalistische Campinggesellschaft zuzumuten. Zur Heimat gehöre auch der Arbeitsplatz. Deshalb brauche es intelligente Lösungen in der Arbeitsmarktpolitik.

13 palästinensische Jugendliche sind wider Erwarten glücklich auf dem Kirchentag eingetroffen. Noch in der vergangenen Woche schien der Deutschlandbesuch der Jugendlichen aus Bet Jala im Westjordanland unmöglich: Israel wollte die Durchreise zum Flughafen nicht genehmigen. Doch der niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel, Bundespräsident Johannes Rau und der israelische Außenminister Shimon Peres setzten sich für die Schülerinnen und Schüler ein. Die Ankunft der jungen Palästinenser löst im Internationalen Zentrum des Kirchentags wahre Begeisterungsstürme aus.


Freitag, 15. Juni 2000


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Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 14. Juni 2001.